"Warum habt ihr eigentlich keine Putzfrau?" Die Frage höre ich immer wieder. Sicher naheliegend bei drei Kindern und einem Job mit einstündiger Bahnpendleranfahrt. Als die Zwillinge klein waren, habe ich mir das tatsächlich immer mal gewünscht. Da war hier Land unter. Allerdings war mir die Optik der Wohnung damals relativ egal. Es gab wichtigeres. Vor allem Schlaf. Jede freie Minute wurde zum Ausgleich des nächtlichen Defizits genutzt. Einzig die Wäscheberge waren ein Problem, das man nicht ausblenden konnte. Da kam dann die vorangegangene Müttergeneration ins Spiel. Meine Schwiegermutter bügelt seither die Hemden ihres Sohnes und das bisschen Bügelwäsche das wir Mädels produzieren. Meine Mutter findet sich jeden Freitag hier zum Falten ein.
Als die Kinder älter wurden, wollte ich diese "Dienste" wieder zurückfahren. Die Mütter weigerten sich. Meine Mutter hat es inzwischen als festes Freitagsritual in ihrem Wochenablauf verankert. Am späten Vormittag eintrudeln, falten, mit uns zu Mittag essen, plauschen, falten, Kaffee und Kuchen, falten. Ich hatte anfangs Skrupel. Man meint ja, immer alles alleine schaffen zu müssen. Meine Mutter überzeugte mich damals mit den Worten "wenn ich im Altenheim wäre und die Zeit mit Seidenmalerei totschlagen würde, hättest du auch kein Problem damit". Ertappt. Meine Mutter ist stark gebehindert. Es freut sie, dass wir sie brauchen. Sie macht sich gerne bei uns nützlich. Und wir genießen inzwischen alle diese Freitage. Sie leiten unser Wochenende ein. Sie ermöglichen uns, dass wir, wenn wir unter der Woche einigermaßen Ordnung gehalten haben, mit ein bisschen aufräumen, umdekorieren, staubsaugen und durchwischen hinkommen. In der Regel mache ich das am Freitagvormittag. Wenn ich was vorhabe, holen wir es am Nachmittag oder samstags nach. Und lassen es dann aber auch für den Rest der Woche gutsein. Ein Lernprozess. Aber keiner hat hier mehr Sehnsucht nach einer Putzfrau.
